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Atmosphärisches Wochenbuch

Weiter mit Victor

Matthias Ohler am 30.05.2011

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Meine Eltern haben mir den Namen Victor gegeben, den Nachnamen Klein habe ich von sonst wo her, niemand weiß mehr genau, wann das anfing.

„Willst du wissen, ob du vergessen bist, bringst du dich in Erinnerung. Du kannst nur hoffen. Und vergessen.“

„Es ist, als ob ich Fragen, mich betreffend, nicht beantworten möchte. Trotzdem reize ich Andere, nach mir zu fragen. Sie sollen bestätigen, daß ich mich bestens kenne. Und sagen sie anderes, sage ich: Ich weiß. Besser, wenn sie aus meiner Reaktion schließen: Er weiß.“

Das sind zwei Textausschnitte aus Manuskripten, die mit „Erste Hochrechnungen“ überschrieben sind. Ich darf vielleicht so sagen: Diese Form des Überlegens ist die mir einzig mögliche geblieben, nachdem ich diesen Überdruß bekam an Äußerungsformen, die dazu einladen, sie so zu nehmen, als formulierten sie wie von selbst, wie sich alles verhält und man sich zu diesem dann zu verhalten habe. Nichts scheint mehr durch vom Prozeß, wie man zu dieser Ansicht oder Einsicht kam.

Im aphoristischen Denken und Äußern ist die Gefahr des Fundamentalismus schon durch die Form einigermaßen gebannt: Der Aphorismus ist immanent dialogisch, zum einen, indem er noch nachvollziehen lässt, wie er entstand und DASS er entstand, und zum andern, indem er auf mögliche Antworten gerichtet daher kommt.

In diesem Sinne sind auch zwei weitere Formen des Nachdenkens zu verstehen: Die poetische und grammatische. Wenn ich grammatisch denke, versuche ich, Regeln nachzugehen, die mir in der Art und Weise geläufig wurden, wie ich sprechen lernte, und sie wie vor mich zu bringen. (Dann erscheint mir beispielsweise ein Buch zur Grammatik des Deutschen wie ein Lehrwerk zu Kompositionsregeln gelingender Fugen in der Musik oder so und mit Genuß zu lesen.) Wenn ich poetisch denke, versuche ich, diese Regeln auszugestalten.

Den ersten der beiden obigen Ausschnitte aus den „Ersten Hochrechnungen“ würde ich eher dem grammatischen Stil zurechnen, den zweiten eher dem poetischen. Wichtig ist bei diesen Denkformen, dass sie auch die Beziehung zur Person erkennen lassen, die denkt und äußert, und nicht so tut, als gebe es so etwas wie Verstehen ohne Verstehende. Das ist der Vorläufigkeit dieses Nachdenkens angemessener.

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