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Atmosphärisches Wochenbuch

Europas Bläschen und nochmal Facebook

Matthias Ohler am 29.09.2011

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Anne Wills Gesprächsrunde gestern Abend ließ interessante Beobachtungen zur Entwickung von "heißen", emotionierten Begriffen zu, wie zum Beispel Solidarität. Die dauernde Nutzung der Nominalform behindert die Wahrnehmung, um wen es dabei eigentlich geht. Über wem wird denn der erweiterte Euro-Rettungsschirm aufgespannt? Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Dem slowakischen Parlamentspräsidenten Richard Sulik unterliefen denn zum Beispiel auch kleine Säuerlichkeiten gegenüber - wörtlich - der Tschechei. Die europäische Blase ist, will man Peter Sloterdijks Bilder benutzen, eher ein Schaum. Aber auch bei Schäumen hat es Auswirkungen, wenn einzelne Bläschen einfach platzen. Und, diese Erfahrung kann man in jeder Badewanne machen, es ist nicht wirklich sicher, welche Auswirkungen welches Bläschen auf welches hat. Die Idee der Stabilität der einzelnen Bläschen für sich ist auf jeden Fal eine gefährliche Illusion.

Zum Thema Facebook, das Raimund Schöll hier kürzlich ansprach und zu dem Thomas kommentierte: Ein vollkommenenes eigenes Erinnerungs-facebook könnte zumindest die Möglichkeit in sich tragen, einigermaßen auf erinnerlicher Augenhöhe mit heutigen Stasis, KGBs, CIAs und anderen Datenbanken zu sein und nicht diesen die Netzwerke des eigenen Lebens alleine zu überlassen. Die hatten sie nämich bisher immer, was einfach der illusionsförderlichen Endlichkeit subjektiver Erinnerungskapazitäten geschuldet ist. Aber auch das ist wohl eher auch eine Illusion. Wenn die subjektive Perspektive erschöpfbare Kapazitäten hat, wird sie auch nicht merken, wenn ihr "subjektives" facebook manipuliert wird. Und wer will darauf wetten, daß das nicht geschieht? Und immer noch wird man nicht die Kapazität und Zeit haben, so viele books zu verlinken wie der Big Friend (oder wird die doch Big Brother heißen?).

Kommentare

29.09.2011

Raimund

Familientherapeutisch Geschulte arbeiten mit der Grundhypothese, dass die Exkommunikation eines Familienmitgliedes so gut wie nie Heilsames bewirkt, sich dies auf' gesamte Familiensystem eher unlösig auswirkt. Manche Ökonomen und Bierzeltrhetoriker könnten sich derzeit vielleicht von solchen und anderen systemisch-sphärologischen Gedankengängen für ihre Redepraxis in Sachen Euro-Krise ein paar Scheiben runter schneiden. Warum nicht mal bei Anne Will Herrn Sloterdijk, Fritz B. Simon und Aldo Häsler zusammen bringen, die die täglich immer gleichen murmeltierig grüßenden Denkschleifen verstören helfen könnten. Ich würde dafür sogar ausnahmsweise Eintritt bezahlen.

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