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Atmosphärisches Wochenbuch

Kakoradio

Raimund Schöll am 04.08.2013

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Wer es noch nicht mit bekommen hat: Sommer ist’s. Und das Boulevard-Radio bemüht sich, es derzeit allen, die das noch nicht mit bekommen haben sollten, mit Verve beizubringen.In Dauerschleife blödeln sich die Moderatoren und Moderatorinnen im Langneese-Stil durch den Äther. Gute-Laune-Freaks, die als Leichtermosers, Röllers und Röhrers daher kakophonieren. Späßchen und Witze, Sprüche und animatorische Augenzwinker sollen uns so richtig in Stimmung bringen. Die herbei gewitzte Gefühlsregel dabei lautet: Leute ihr müsst jetzt einfach gut drauf sein. Die Sonne und kletternden Hitzegrade, lassen gar keine andere Schlussfolgerung zu - Schubidubidu.

Nüchterne Zeitgenossen und Fachleute bezeichnen derlei Heiterkeitsbemühung als Chäromanie. Was so viel bedeutet wie krankhafte Heiterkeit. Der stimmungsradiologische Leute-Es-Ist-Sommer-Anschlag auf die Schrebergärtner-, Balkonien- Bade- und Sonnenanbeterblasen, eingedenk derer, die im allsommerlichen Stau auf der Autobahn Richtung Italien stehen, und deren Kinder sich hinten auf den Rücksitzen balgen, wäre somit beim Namen genannt. Die Chefs vom Dienst in den Rundfunkanstalten glauben offensichtlich wir  - als Sommer-Endverbraucher - bräuchten das alles irgendwie.

Als kritischer Reinhörer ertappt man sich dann dabei, klammheimlich das schlechte Wetter am Totensonntag zurück haben zu wollen. Wo alles aufgeräumt und in mieser Stimmung hinter seinen Mauern sitzt, wo Fernreisekataloge gewälzt , Plätzchen gegessen und heiße Tees getrunken werden, und zudem all die launigen Radio-Moderatoren angehalten sind, ihre Spaßklappen zu halten. Man würde sich nicht fremd schämen müssen und würde nicht mitkriegen, wie einem die verkrampften Beckenbodenmuskulaturen der Moderatoren und Moderatorinnen im Studio mit jedem Spaß mehr in Form der berüchtigten becksteinschen Pressatmung aufs Ohr schlagen.

Mein Tipp an heißen Tagen an mich lautet nun vorläufig: Schalt nie mehr als 5 Minuten das Kakoradio ein. Wenn du bei Sommerlaune bleiben willst. 

(O.G.)

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