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Atmosphärisches Wochenbuch

Tom Bartels

Matthias Ohler am 22.06.2014

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Wie so oft, wenn deutsche Reporter live ein Fussballspiel mit Beteiligung einer deutschen Mannschaft kommentieren, bei dem es wirklich um etwas geht, erinnerte das Gequassel von Tom Bartels gestern Abend auch wieder eher an Kriegsgeschehen als an das, um was es wirklich ging: ein Fussballspiel. Beispiel: die den ghanaischen Abwehrspielern mit einem leicht dröhnenden, einen Lacher mit heraus fallen lassenden Ton unterstellte Angst, wenn ein Deutscher "allein da vorne auftaucht". Von Minute zu Minute wurde es schwieriger, mit Freude und Spaß zuzuschauen.

Wie funktioniert dieses Aufpeitschungs-Geschehen? Die Generation HJ kennt das bis ins hohe Alter, wie mir mehrfach von alten Männern erzählt wurde, die es wissen müssen: Die "Führerstimme", wenn sie zB in Dokumentationen herumhalle, wirke immer noch subkutan; etwas in einem reagiere da, auch wenn der Verstand es besser wisse.

Aber was legte das bei mir an? - Die Kommentare über all die Jahrzehnte? Ich habe es an dramatischen Spielen zu überprüfen begonnen (Danke ans Internet): Viertelfinale und Halbfinale 1970, Finale 1966, Finale 1954. Dort finde ich nichts. Es begann später. Als Kommentare, Sträkedemonstrotzion und Jubelei ineinander zu verschwimmen sich trauten. Bis zu den kieksenden Radiodoubles, die jeden Morgen Region für Region die Nation emotional und kognitiv ausrichten, unterstützt von ihren O-Ton-Kollegen, die immer was Passendes einzuspielen haben.

Ich habe gestern Abend für das deutsche Team gehalten. Als ich mich kaum mehr erwehren konnte, einzusehen, dass ich dann für das gleiche Team halte wie der, dessen strammes Getöne dauernd in mich einohrt, -hirnt und -fühlwühlt, informierte mich der Lübecker Hotelier, in dessen Haus ich kucken durfte, dass man bei SKY den Kommentatorenton separat abknipsen kann. Immerhin. Ein echter Service: ein Unterschied, der einen Unterschied macht.

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