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Atmosphärisches Wochenbuch

Gurken, Sprossen, Atomkraftwerke und der Führer

Matthias Ohler am 07.06.2011

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Das atmosphärische Gebräu in den aufsprossenden Diskussionen um EHEC erinnert mich fatal an die brennenden Diskussionen nach dem GAU in Tschernobyl und besonders um die Informationspolitik: Strahlenwerte, Halbwertzeiten, niemand verstand so recht. Und jede Berufs- und Wertschöpfungsgruppe fühlte sich besonders betroffen und entsprechend benachteiligt. Dem Gurkenwirt gestern Abend bei Beckmann war ganz wichtig, daß doch jetzt Sprossen im Verdacht seien - alle Folgen für Sprossenwirte und was denen der neue Verdacht - und mehr ist es vorerst auch nicht - einbringt, schien ihn nicht im mindesten zu interessieren.

Der Fleischer des Dorfes, in dem ich 1986 wohnte, sagte unverblümt zu mir, niemand wisse doch jetzt mehr, was wirklich verstrahlt sei und was man essen könne und was nicht, und gerade die Fleischer seien am härtesten betroffen davon, er verkaufe so und so viel weniger jetzt; er wolle einen wie den Führer wieder haben, für drei Jahre nur, daß man wieder wisse, wo es langgeht. Die Frage, wie er den dann nach drei Jahren wieder los werden wolle und ob er glaube, der gehe dann auch freiwillig, quittierte er mit einer wegwerfenden Handbewegung.

Ergebnis solcher vielerorts hitzig vorgebrachten Beiträge war die Einrichtung des Bundesumweltministeriums - und zwar in erster Linie als atmosphärisch-informationspolitischer Großaktant. Mit Erfolg. Der Fleischer war´s zufrieden. Helmut Kohl auch. Diese Debatten in und um Bedrohungen unserer Aktions- und Lebensräume stehen besonders im Dienst der Suche nach Beruhigungspillen der Sorte Walter Wallmann. Fukushima läßt grüßen: OKOK, 2022 ist Schluss, beruhigt Euch wieder. Humberto Maturana: explanations are pacifiers/Erklärungen sind Schnuller. Gurken raus, Sprossen rein. Oder vielleicht doch nichts Vegetarisches?

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