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Atmosphärisches Wochenbuch

Wolf Biermann's legendäres Konzert

Raimund Schöll am 17.11.2011

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Vorgestern habe ich zufällig in Wolf Biermann’s berühmtes und inzwischen legendäres Kölner Konzert von 1976 rein gezappt, welches der SED-Nomenklatura einst als Vorwand gedient hatte, ihn aus der ehemaligen DDR auszubürgern. Das erste Mal, hieß es, würde das Konzert angesichts seines 70. Geburtstages in voller Länge ausgestrahlt. Davor gab’s auf demselben Fernsehsender noch ein Interview mit ihm. Mein alter Vorbehalt, den ich - als einer der Generation Baby Boomer - gegenüber dem mir früher teilweise als selbstgerecht erscheinenden älteren Bruder im Geiste hegte, war sofort der Sympathie gewichen. Während ich dem virtuosen Gitarrenspiel und seinen poetischen Texten lauschte, beobachtete ich an mir, wie ich mich an Biermanns zeitlosen Gerechtigkeitsvorstellungen, die mir inzwischen wieder hoch modern vorkommen, wärmte. Früher war mir Biermann zu theatralisch, zu selbstverliebt. Jetzt empfand ich seinen subtil-humorvollen Empörungsgestus als einen passenden Habitus, eine konsequente Kontradiktion zur politischen Atmosphäre derzeit, in der nur noch Finanzkrisen und Märkte den Ton anzugeben scheinen. Vielleicht sollte auch Biermann mal im Bundestag auftreten, wie der Papst einst?! Das entsprechend würdige Alter dazu hätte er ja.

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