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Atmosphärisches Wochenbuch

Willensfreiheit

Raimund Schöll am 15.05.2011

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Da hat doch dieser silbergrau melierte Politiker aus Frankreich in diesem Hotel in New York für ein paar Sekunden die Contenance verloren, weil ein junges 30-jähriges Zimmermädchen dessen Hotelsuite ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt betreten hatte, als der Politiker halbnackt aus dem Bad gelaufen kam. Wegen des Anblicks des Zimmermädchens sei dem Politiker spontan die Natur in den Leib gefahren, sagt man. Pavianartig soll er auf das Zimmermädchen los gegangen, über Betten und Teppiche gesprungen sein, um es zu ein paar Altherrenspäßchen einzuladen. Das Zimmermädchen wollte aber keinen Spaß, ist vor dem Politiker davon gelaufen und hat ihn prompt bei der Polizei angezeigt. Jetzt sitzt der Politiker wegen versuchter Vergewaltigung in U-Haft in New York und kann wahrscheinlich kein französischer Präsident mehr werden. Seine neurobiologische Grundausstattung habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, sollen anerkannte Hirnforscher in einer inoffiziellen Pressekonferenz nun angesichts des dramatischen Vorfalls erklärt haben. Willensfreiheit sei ja bekanntermaßen eine Illusion! Das Gehirn mache einfach, was es wolle. Warum sollte dies bei Politikern anders sein, sagten die Hirnforscher.

Aus: Theo Dünnbiers Gedankenfluchten - Die Kunst den Überblick zu verlieren, unveröffentlichtes Manuskript, 2011 (Raimund Schöll)

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