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Atmosphärisches Wochenbuch

Weihnachtsgedanken

Raimund Schöll am 13.12.2011

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1. An Weihnachten sollst du inne halten, sagt man, sollst dich besinnen, freundlich zu deinen Lieben und Bekannten sein, sagt man, und dich einfach innig freuen. Stille Nacht, heilige Nacht. Aber da man dir die weihnachtliche Selbstorganisation nicht ganz zutraut, will man dich gut an das Ganze heran führen, scheint’s. Weihnachten per Häppchen und frei Haus. Wenn du Gefahr läufst, nicht ganz willig abzutauchen in die Weihnachtsbesoffenheit, dein Egostate sich vielleicht hartnäckig verweigert, gegen Lebkuchen- und Krippengefühl, helfen dir die ganzjährig imprägnierten Stimmungsprofis von ARD und ZDF und RTL ein wenig nach. Auf beinahe allen Fernsehkanälen, ausser ARTE vielleicht, weihnachtet’s nun für dich. Heimelige Lieder werden gesungen, rührselige Jahresrückblicke und Galas veranstaltet - und immer und überall blitzen dich die profihaft Christbaum leuchtend androgynen Augen der Moderatoren an. Fast hypnotherapeutisch.

2. Ich stelle seit Jahren fest, dass der Drehzahlmesser meiner Geschäftspartner, Kunden, ja auch der eigene rauf geht - je näher wir uns dem verheißungsvollen Datum nähern. Egal mit wem man zu telefonieren hat, scheint die Halbwertszeit für wechselseitige Gesprächs- und Zuhörbereitschaft im Monat Dezember eruptiv zu sinken.

3. Fast wie eine riesiger Almabtrieb mutet das Gedränge in den Innenstädten an, und die Unfreundlichkeit an den Kaufhauskassen nimmt zu. Nein, nicht die der Kassiererinnen, sondern die der Kunden.

4. All die Aufrufe zur Spende, die aus Radio und Fernsehen, mit viel kitschiger Musik derzeit an deine Synapsen branden - eigentlich durchschaubar, womit gespielt, nein, gearbeitet wird. Nicht, dass ich etwas gegen Spenden hätte. Ganz im Gegenteil. Aber die Idee, wir hätten gerade jetzt etwas zu spenden, hat etwas Ablassartiges, finde ich. Du wirst solange atmosphärisch weich gekocht bis ... Im Mittelalter zahlte man den Ablass, um sich von den Sünden zu befreien. Welche Sünde habe ich begangen? 

5. Bald werde ich meinen letzten Flug für dieses Jahr antreten. Vielleicht kommt mir, per Videoband vor dem Start, wieder Helene Fischer entgegen gelächelt, diesmal mit einem Weihnachtsminiröckchen und einer Geschenktüte um den Arm. Wer weiß? Ein Schokoladenherz wird' s auf jeden Fall wieder geben. Das ist sicher. Weihnachten hin oder her.

(O.G.)

Kommentare

13.12.2011

Matthias Ohler

Das ist halt massenhafte Geburtsvorbereitung ...

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