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Atmosphärisches Wochenbuch

Waterstory

Raimund Schöll am 10.04.2014

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Pünktlich wie jeden Donnerstag läuft das wöchentliche Fährschiff ein. Im Hafen des Ortes breitet sich Geschäftigkeit aus. Ein Arbeiter am Kai spuckt gegen den Wind. Eben erst hat es mal wieder zu regnen begonnen. Das Maul des Schiffes öffnet sich. Ein Laster, beladen mit Trinkwasser aus Norwegen, geht als erstes vom Stapel und macht sich in Richtung Süden auf. Einige PKW folgen. Menschen eilen mit hoch geschlagenen Krägen und rollenden Koffern über den grauen Beton. Am Ende des Hafens indes - gleich hinter dem Leuchtturm - grasen in matschigen Wiesen ein paar friesische Kühe. Eva, die Jungbäuerin, hatte gerade noch Mist aufgeschaufelt, nun steht sie mit ihren Gummistiefeln im nahegelegnen Watt. Sie denkt an Hein, ihren Verlobten, der auf der anderen Seite in Neuengland ein Praktikum macht. Tränen rinnen ihr übers Gesicht. Aber unweit von ihr weg, nur ein paar hundert Meter entfernt, spielt sich noch etwas ab. Am einsamen Moorsee - im Sommer baden die Kinder darin – lässt sich ein unbekannter Mann in voller Montur ins braune Wasser gleiten. Der Trafo des Strommastens brummend, aus den Uferpfützen riecht es streng, indes sich der Körper des Mannes noch still gegen das Untergehen wehrt. – Vergebens. Ein leises Glucksen und Blubbern während die Fähre ein letztes Mal ihr Horn betätigt. Und niemand wird das Vorkommnis je bemerkt haben. Auch die Bäuerin nicht.

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