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Atmosphärisches Wochenbuch

Was man so sagt, montags und an anderen Tagen

Raimund Schöll am 16.10.2011

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1. Beim Warten auf die S-Bahn. Das kann ich nicht verstehen, sagt der kleine Junge kopfschüttelnd und wild gestikulierend zu einer neben ihm stehenden älteren Dame. Wie kann Gott die Welt erschaffen haben? Der hätte dafür ja sooo lange Arme gebraucht, um die Erdkugel überhaupt umfassen zu können!

2. Auf einer Wohnungseinweihungsparty einer Freundin sagt ein unbekannter 62jähriger Mann, er heiße Bernhard, lebe in einer Männer-WG; das sei nicht ganz so gut wie in einer Frauen-WG, aber man könne sich Geld sparen und seine Ruh hätte man jederzeit, wenn man es bräuchte. Das sei der Vorteil.

3. Zu meiner Kollegin sage ich, als wir am Gepäckrollband am Flughafen zufällig vor einem Bildschirm zu stehen kommen, auf dem - während des Wartens auf die Koffer - irgend ein neuer BMW auf Hochglanzbildern, in wilden Landschaften auf einsamen Straßen dahin gleitend, der schnittige Fahrer, lässig die elektronische Gangschaltung betätigend, gepriesen wird, dass mir die dummdreiste Daueranästhesierung der allgegenwärtigen Werber allmählich auf den Geist gehe, Demokratie nur eine leere Floskel sei angesichts der ständig unfreiwilligen Berieselung an Flughäfen, Bahnhöfen oder sonst wo, die Bayerischen Motoren Werke mir eigentlich etwas zahlen müssten dafür, dass ich mir deren Autohuldigungsfilm nun schon zum fünften Mal während des Wartens auf meinen Koffer ansehen müsse, man überhaupt hin und wieder zum Bakunin werden könnte, angesichts dieser und anderer Zumutungen, mit denen die Märkte an jeder Ecke tagtäglich aufwarten.

(O.G.)

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