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Atmosphärisches Wochenbuch

Geschmeidige Tunnel

Raimund Schöll am 02.08.2015

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Gestern bin ich zum ersten Mal mit dem Auto den neuen West-Tunnel gefahren. Sehr modern: Die Beleuchtung, die Beschilderung, leiser Asphalt. Geschmeidig bin ich durchrollt. Dabei ist mir - wie hin und wieder mal - in den Sinn gekommen, wie sich die Dinge und deren Ordnungen im Lauf des Lebens verändern. Und müsste man den Menschen als Mensch im Kern seines So-Seins nicht grundsätzlich auch als Tunnelfahrer betrachten?! Mit Tunnel werden Hindernisse - Berge, Seen, und - wer es sich vorstellen mag - auch politische und persönliche Krisen, Krankheiten etc. künstlich überquert. Der Tunnel dient der Passage. Sogar die Zeit, stellen sich manche vor, wäre - wie in der legendären Film-Serie der 70er-Jahre „Time Tunnel“ - als Zeitreise zu überwinden. Und was anderes tut der Mensch schon in seinem Leben? Er bewegt sich von einen Tunnel zum anderen, um kleine und große Hindernisse zu überbrücken. Der Tunnel oder das Tunell als **das** Tool der Menschheit par excellance. Eine Röhre, die virtuell oder haptisch da ist, damits geschmeidiger vorwärts geht. Auch das Wort - so jedenfalls die Vorstellung - soll möglichst geschmeidig von Einem zum Anderen tunneln (Röhrenmetapher). Als ob es je geschmeidig und unmissverständlich transportiert werden könnte. Mag sein, dass man in hundert Jahren über unseren Arten und Weisen des echten oder virtuellen Tunnelbaus lachen wird. Das heute Neue wird da längst veraltet sein - logischerweise. Doch am Ende des Tages wird auch da nicht viel anderes übrig bleiben, als zu tunneln. Raus aus dem Tunnel rein in den Tunnel. In der steten Hoffnung, es würde dadurch wieder ein wenig geschmeidiger vorwärts gehen. Die Tunnel in Art und Bauweise mögen sich verändern, nicht aber die Absichten, die dahinter stecken. 

(O.G.)

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