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Atmosphärisches Wochenbuch

Trendwende Betriebsklima

Raimund Schöll am 18.02.2012

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In Deutschlands Unternehmenswelten deutet sich eine Trendwende an: Manager und Führungskräfte sollen zukünftig nicht nur für ihre operativen Erfolge ent- und belohnt werden, sondern auch für ihre klimatischen Fähigkeiten. Der atmosphärisch intelligente Manager liegt im Trend respektive zufriedene Mitarbeiter, die ihre Zufriedenheit und Motivation an der Führungsleistung und am Betriebsklima fest machen.

Die deutsche Bahn etwa kündigte kürzlich an, ihre Manager auch nach dem Grad der Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden mit den Führungskräften bezahlen zu wollen. Ebenso sind bei Volkswagen und Telekom die Vorstandsvergütungen seit 2010 daran gekoppelt, wie die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz und das Betriebsklima beurteilen. Belohnt sollen also diejenigen Führungskräfte werden, deren Führungsleistungen auf atmosphärischen Widerhall stoßen.

Auch wenn sich dieser Trend wohl nicht der „reinen Nächstenliebe“ verdankt, sondern als Reaktion der Unternehmen auf das im August 2009 vom Bundestag beschlossene „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“, um kurzfristiges Renditestreben und ausschweifende Boni-Zahlungen zu verhindern, zu werten ist (vgl. Sibylle Haas: Gute Chefs verdienen mehr, SZ vom 03.02.12), kann man diese Entwicklung auch aus anderen Gründen als längst überfällig ansehen, finde ich.

Denn nicht nur Mitarbeiter und Kunden, auch manche der Führungskräfte selbst schätzen es inzwischen hoch ein, wenn die Qualität und der Erfolg eines Unternehmens nicht nur anhand von Zahlen gemessen werden, ist meine Erfahrung.

Eine Umfrage des Management Zentrums St.-Gallen, die schon um das Jahr 2006 durchgeführt wurde, zeigte, dass immerhin 82% der Manager und Führungskräfte der Meinung sind, dass sich die Akzentsetzungen im Managementhandeln radikal verändern müssten. Impizit heißt das, jedenfalls aus meiner Sicht: das monomythische Rollenklischee des Mr. Macher hat ausgedient.

Führungsleistungen werden bisher noch in vielen Unternehmen leider mit reinen Output- und Renditeleistungen gleich gesetzt. Sprich: wichtig sei, was hinten raus kommt, aber nicht wie was hinten raus kommt. 

Vielleicht tragen ja die neuen Vergütungsregelungen in Großkonzernen endlich dazu bei, dass mit diesem Aberglauben langsam Schluss ist. Wäre jedenfalls die Hoffnung.

Kommentare

18.02.2012

Matthias Ohler

Die Idee in allen Ehren: Es ist einfach eine Funktionserweiterung der sozialen Steuerung durch Geld - und vielleicht doch nicht die intelligenteste, denn sie setzt in dieser Form auf Kybernetik 1. Ordnung. So einfach ist es selbst bei der Deutschen Bahn nicht. Wie sieht die Erhebung und Bewertung aus, BEVOR die Bezahlung entscheiden wird? Und von wem? Oder merkt die Führungskraft erst an der Bezahlung, was die andern von ihr halten? Und wie ist Fluktuation geregelt? Zufriedenheit definiert? Fragen über Fragen. Eigentlich ist es eine weitere Steuerung über Zahlen, halt durchs Zahlen. Und damit sind Motivationsgefüge nicht verändert.

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