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Atmosphärisches Wochenbuch

Stabiler Dreck

Matthias Ohler am 16.08.2012

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Victors Überlegungen, oder: Was sich beim Bücherschreiben nebenher so einstellt - 1.

 

Der Anlass für eine Intervention, der beispielsweise im Raum des Erlebens lokalisiert sein kann (psychisches oder organisches System), muss nicht zu einer Intervention im gleichen Raum führen. Unwohlsein kann dazu führen, Räume oder menschliche Beziehungen zu verändern zu versuchen bzw. dort zu intervenieren (zB indem man sie verlässt), oder dazu, sich dreinzuschicken, oder auch dazu, seine Bewertungsgewohnheiten gegenüber bestimmten atmosphärischen Gegebenheiten zu verändern („Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein, und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein. Ich bin wieder hier in meinem Revier.“ Marius Müller-Westernhagen)

So könnten wir uns auch erklären, wie in Organisationen und anderen mehr oder weniger organisierten Formen des menschlichen Zusammenseins – zB Familien und Paaren – stabile atmosphärische Verhältnisse dauernd aufs neue erzeugt werden, die aus Sicht eines daran nicht beteiligten Beobachters vielleicht weniger wünschenswert wären. Es ist ähnlich wie mit der Zigarette des leidenschaftlichen Rauchers jeden Morgen noch vorm Frühstück: der süße Schmerz des ersten Lungenzugs hat für ihn etwas Beheimatendes, das von anderen Teilnehmern des sozialen Systems, wie beispielsweise irgendwelchen Gesundheitsaposteln, nicht verstanden wird. Es hilft ihm, sich von denen abzugrenzen und ihre medial teils stark präsenten Warnungen zu leisem Flüstern zu verdampfen, das das Ritual der wärmenden Selbstverletzung nicht kennt.

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