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Atmosphärisches Wochenbuch

Sprechen überbrückt

Raimund Schöll am 03.12.2011

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Samstag Mittag im Getränkeladen. Plötzlich jaulendes Sirenengeheul, und von überall her Martinshörner. Für zwei drei Sekunden - eine zerbrochene Atmosphäre und die Ahnung, gleich in der Nähe könnte sich ein schlimmer Autounfall zugetragen haben. Die Ladeninhaberin, ein weiterer Kunde und ich, wir sehen uns kurz an. Dann gehen unsere Blicke fast synchron zu Boden. Als ob gerade eine Kirchenandacht begonnen hätte.

Kurz darauf: Ja mei, da is ja ständig was los, auf dera Autobahn. D’ Leut fahr’n aber auch immer narrischer. I fahr ja gar nimmer, weil’s mir zu g’fährlich wor’n is, sagt die Chefin. Ich stimme ein und sag auch irgendwas, dass da ja immer wieder was passiert, besonders im Tunnel und so weiter. Der andere Kunde redet auch mit. Traute Einigkeit, obwohl man sich kaum kennt sonst. So dann ham mas, sagt die Chefin schließlich, routiniert dabei die Kasse betätigend. Das macht dann 32,90 Euro. Brauchen' s a Quittung?

Auf der Rückfahrt im Auto kommt mir der Gedanke, dass es wahrscheinlich das Sprechen ist, das uns überbrückt und beruhigt, wenn etwas bedrohlich und unvorsehbar in’s Leben einbricht und etwas uns daran erinnert, sterblich zu sein. In Luftschutzkellern, während der Angriffe im 2.Weltkrieg, soll man der Ohnmacht in ähnlicher Art entgegen getreten sein, hab ich gehört.

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