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Atmosphärisches Wochenbuch

Spinnweben

Raimund Schöll am 06.04.2012

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Es ist noch nicht lange her. Da gab es eine Zeit, die er hätte anhalten wollen. Überall im Haus die Spinnweben. Die jeden morgen, wenn er aufwachte, woanders hingen. Er fand, dass sie ihn blendeten - eigentlich. So wie Marie ihn blendete - eigentlich. Sie zogen in Ecken und Holzgauben hinein, hingen an Kellerwänden und an Lampen, ja sogar über seine Schuhe warfen sie ihre Netze aus. Am nächsten Tag waren sie dann weg - zu anderen Stellen hin. Wenn er mit Marie schlief, sah er sie an der Decke und am Spiegel - kommen und gehen -  immer anders. Maries Haar war wie verschmolzen mit ihnen. Dann eines Freitags war Marie fort. Und mit ihr die Spinnweben. Ohne ein Wort.

aus: Raimund Schöll, 2012: Paargeschichten, unveröffentlichtes Manuskript.

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