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Atmosphärisches Wochenbuch

Spiegel im Spiegel

Matthias Ohler am 14.01.2017

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Arvo Pärt (*1935) gehört wie John Cage (1912-1992) zu den Komponisten, die die feine Spannung zwischen Musik und Stille mit größtmöglicher Offensivität akzeptiert und kompositorisch umgesetzt haben. Cages Komposition 4'33" ist eines der bekannten Beispiele für die musikalische Füllung der Stille. Sie ist so augenzwinkernd komisch wie tief berührend. Arvo Pärt löst die Herausforderung in seiner Komposition Spiegel im Spiegel einerseits irgendwie klassischer - es werden "tatsächlich" Töne gespielt. Andererseits geschieht dies hier auf einem Weg, der, statt wie Cage die Stille direkt zu "zeigen" (und zugleich zu zeigen, dass es absolute Stille nicht gibt), aus ihr heraus und wieder in sie hinein führt. Das tut natürlich jede tatsächlich gespielte Musik. Pärt weist eben nur leise darauf hin und lässt es so geschehen, dass man es bemerken kann und es auf diese Weise zum besonders Bedeutenden des Musizierens wird. Das Einfache, das gespielt wird, erhält dadurch eine auf andere Weise nicht zu erreichende Aufmerksamkeit und liebe Bedeutung. Und man spürt, hört, empfindet, ob das gelingt, wenn Spiegel im Spiegel gespielt wird. Sol Gabetta (Cello) und Helène Grimaud (Klavier) ist das gestern Abend in Mannheims Rosengarten zum Weinen schön gelungen. Die Konzertkarten hatte mir meine Lebensbegleiterin geschenkt. So folgenschön kann Weihnachten sein.

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