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Übersicht

Atmosphärisches Wochenbuch

SPD

Raimund Schöll am 23.05.2013

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Die SPD feiert ihr 150-jähriges. Wem darf man da gratulieren? Der Partei?! Natürlich! Aber was ist mit ihren Wählern, die zu gewissen Zeiten in Masse ihr Kreuz dort hin gemacht haben? Oder die anderen Parteien. Sind die nicht ebenso zu beglückwünschen, weil es bei der SPD immer wieder Mutige gab, die unpopuläre aber notwendige Maßnahmen durchführten, die man selber nicht hat durchboxen müssen (Stichwort "Reformstau")? Oder vielleicht auch Deutschland, weil von der SPD immer wieder auch geistige Innovationen für das Land ausgingen? Oder solte man nicht der deutschen Demokratie gratulieren, weil sie ohne die Sozialdemokratie wohl kaum diesen stabilen Stand bzw. guten Ruf hätte, den sie heutzutage im Ausland genießt. Ich hab neulich seriös gehört, Deutschland soll weltweit gesehen das beliebteste Land sein. Kein Witz.

Es ist angemessen, finde ich, dass gestern bei der großen Geburtstagsfeier in Leipzig auch einige von denen dabei waren, die an der Partei im Alltagsgeschäft sonst kaum ein gutes Haar lassen. Angela Merkel inclusive.

Der SPD nachzusagen, sie sei nicht up to date oder gar überflüssig, weil sie derzeit bei 24% Wählerpotenzial rumdümple, wäre m.E. ein Fehlschluss (auch wenn das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 59 liegen mag). Den es gehen von ihr nach wie vor Atmosphären aus, die nicht kopierbar und schon gar nicht ersetzbar sind. Menschen, deren Habitus brüchig ist, und deren Lebenswege mitunter durch Verlust und Niederlagen gekennzeichnet sind, haben in dieser Partei nach wie vor mehr Chancen als in anderen Parteien (Man denke da an etwaige Abservierungen in anderen Parteien). Man kann der Tante SPD viel nachsagen, aber mit Sicherheit nicht glatte Makellosigkeit, Selbstverliebtheit und allzu viel Glanz und Gloria. Schon dafür würde es sich lohnen, dass wir sie haben und behalten.

"Deutschland Down By Earth" ohne Großmannssucht - ein Motto, das die ganze Partei - auch mit dem in den eigenen Reihen viel gescholtenen Altbundeskanzler Schmidt – atmosphärisch wie historisch kontinuierlich teilt und für sich auch in Anspruch nehmen darf.

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