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Atmosphärisches Wochenbuch

Schöne hässliche Stadt?

Raimund Schöll am 31.10.2014

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Ein Ex-München-Bewohner, der jetzt in Berlin weilt, sorgt derzeit in München für Furore. Er befand in der AZ – der Haus- und Magenzeitung der Münchner - München als unattraktiv. Zu viel Beton, zu wenig Bäume, eine gealterte Pseudo-Künstlerszene und überhaupt: was bildeten sich denn die Münchner ein. Sie redeten sich in einer Art kollektiven Hybris ihre Stadt schön, in Wirklichkeit aber sei sie nur einfach hässlich. Selbst der Englische Garten wäre nur früh morgens genießbar, wenn er menschenleer ist. Ja, wo er recht hat?!

Ich war dieses Jahr in einigen Großstädten unterwegs: Wien, Göteborg, Hamburg, Berlin. Hässlichkeit war überall. In Berlin die Plattenbauten, in Hamburg die Moenckebergstraße, in Göteborg der Lilla Bommen und in Wien? Na da muss man auch nicht extra suchen. Schon bei der Einfahrt der stauverpestete "Gürtel" mitten in der Stadt - eigentlich ein No-Go.

Wage erinnere ich mich an einen Film mit Jean Paul Belmondo. Er handelt von der Leidenschaft eines jungen Arztes für die Anatomie von Frauen, insbesondere der hässlichen. Als er sich anschickt, eine seiner nichtschönen Eroberungen zu ehelichen, kommt ihm schnurstracks eine Schönheit in die Quere, und er macht sie sich zur Geliebten. So geht es mir regelmäßig - wenn ich ich in einer Großstadt unterwegs bin. Kaum meine ich das Eine auszumachen, begegnet mir ums Eck das Andere. Oder umgekehrt. Und genau dieses Wechselbad aus Anziehung und Abstoßung schafft dann die spezielle Atmosphäre. Schönheit und Häßlichkeit liegen halt nun mal dicht beieinander. Und dies weiß Gott nicht nicht nur bei Großstädten.

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