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Atmosphärisches Wochenbuch

Russland und seine Elefanten

Raimund Schöll am 16.03.2014

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Da gibt es eine Geschichte. Die geht ungefähr so: Ein Mann geht periodisch klatschend durch Fußgängerzone einer Kleinstadt. Ein Passant, der das beobachtet, spricht ihn daraufhin an und fragt: Warum klatschen Sie eigentlich? Der Mann sagt: Weil ich auf diese Art die Elefanten hier verscheuche. Der Passant daraufhin etwas verdutzt: Aber hier gibt es doch gar keine Elefanten!? Der Mann daraufhin: Eben!

Das derzeitige Vorgehen Russlandes auf der Krim, und insbesondere die von Außenminister Lawrow vorgetragene Rechtfertigung, der militärische Vorstoß dort diene allein dem Zweck, die russische Bevölkerung vor der Bedrohung durch nationalistisch-faschistische Kräfte zu schützen, erinnert ein wenig an diese Geschichte, finde ich. Auch Herr Lawrow  begegnet dem vorgetragenen Einwand, dass es bislang ja kaum Hinweise auf tatsächliche Übergriffe auf Russen in der Ukraine – und vor allem auf der Krim nicht - gegeben habe, vorzugsweise mit einer Art von „Eben!“

Der Unterschied zu der Geschichte des klatschenden Mannes allerdings scheint mir, dass Russland gerade dabei ist, sich mit seinem Klatschen die Elefanten tatsächlich erst ins Haus zu holen. Und dies offensichtlich in voller Absicht.

Vielleicht schauen wir alle deswegen so konsterniert auf die Krim, weil der russische Bär sich das Szenario, das er vermeintlich am meisten befürchtet, selbst herbei beißt, um es anschließend gleichsam selbsttherapeutisch (u.a. in Form eines zweifelhaften Referendums, militärische Aktionen) bekämpfen zu können. Geostrategisch-rationale Logik scheint sich hier mit Irrationalität zu verquicken. Vielleicht sollte man auch sagen: Hier steuert das Prinzip "Angst vor der Angst“.

Aber bleiben wir fair. Es ist noch nicht lange her, da haben sich auch die USA von dieser Paranoia treiben lassen. Wäre George W. Bush heute an der Macht und nicht Barack Obama, hätten wir es jetzt voraussichtlich mit einem beißenden Bären auf der einen Seite und einem hart zurück keilenden Elefanten auf der anderen Seite zu tun. Wer weiß, wie die Situation nun da wäre?!

Meine Hoffnung wäre ja tatsächlich immer noch die, dass insbesondere die Deutschen mit der teilweise Irrationalität Russlands gut - vielleicht besser als andere? - umgehen könnten. Mit vermeintlich Gefahr strotzenden Elefanten und dem schlechten Umgang damit kennen wir uns ja ganz gut aus. Der russische Bär müßte hierfür allerdings mal kurz den Kopf heben und Witterung aufnehmen. Ob er das irgendwann tut, bleibt abzuwarten.

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