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Atmosphärisches Wochenbuch

Vorbei

Matthias Ohler am 30.11.2012

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Eine Fahrt mit der S-Bahn durch die Pfalz. Zwischen Ludwigshafen und Neustadt liegt Limburgerhof. Die dortige Bahnstation ist mittlerweile, wie so viele, einfach eine Rampe mit Automaten. Das ehemalige Bahnhofsgebäude wurde vom heutigen Besteige-Betrieb abgetrennt durch eine fette Wellblechwand à la Berliner Mauer - sie ist ebenso kreativ besprüht. Das Gebäude ruiniert ab Stockwerk zwei aufwärts herüber. Wo einst was passierte, das wird nun nur passiert.

Man mag dies und Ähnliches unterschiedlich bewerten, atmosphärisch auffällig und wirksam ist es allemal. Dass es mir im Rahmen einer Novemberfahrt auffiel, hat in meinem psychisches System womöglich andere Auswirkungen als in den psychischen Systeme anderer. Mein Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Bewertung speist sich sicher aus der erinnerten Wirklichkeit, als Banhofsgebäude noch anders bzw. überhaupt genutzt wurden. Wie fährt der mir gegenüber sitzende Mensch hier vorbei? Er dürfte nicht älter sein als 11 Jahre. Fährt wohl zur Schule in Neustadt.

Hinter Neustadt - hier stimmt das "hinter" eher, als wenn man von dort aus Richtung Vorderpfalz fährt - zieht sich die Bahnstrecke über Lambrecht weiter durch den Pfälzerwald. Man passiert Backstein-Industrie mit Schloten. Eine Zeitreise.

Zwei Wochen zuvor fuhr ich mit dem Intercity die Rheinstrecke von Mannheim nach Köln. In den sechziger und siebziger Jahren, als ich diese Strecke häufig fuhr, um meine Großeltern im Ruhrgebiet zu besuchen, gab es zu ihr, anders als heute, keine Alternative. Die Lorely fühlt sich jetzt, wenn ich nicht aufpasse, wie ein altes Bahnhofsgebäude an. - Vorbei.

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