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Atmosphärisches Wochenbuch

Montagsgedenke

Raimund Schöll am 21.12.2015

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Der Wasserhahn für baren Erzählunsinn scheint ganz auf weitaufgedreht gestellt zu sein derzeit. Derart viele Gerede, ja Gelärme und Pseudoanalysen über gesellschaftliche Verhältnisse hat man lange schon nicht mehr gehört. Ob in Talk-Shows oder im Feuilleton - von diversen Streitschriften mal ganz abgesehen - es läuft immer auf die gleichen Beschreibungsvignetten hinaus: Für die Linken sind es Kapitalismus und Neoliberalismus, die an allem Schuld sind, für die Rechten sind es Maßlosigkeit, Unübersichtlichkeit und scheinbare kulturelle Inhomogenitäten, die das angebliche „Durcheinander“ produzieren. Als ob es den Kaptialismus wie einen Eisenwaggon auf der einen Seite gibt oder eine positive gelebte kulturelle Homogenität mit „Maß und Mitte“ in einer demokratischen Gesellschaft auf der anderen Seite je existiert hätte. Ich fürchte: Aus diesen beiden Gesellschaftsbeschreibungen lassen sich keine passenden Hebel für die Krisen der Zeit finden. Denn keine weiß in Wirklichkeit, wo die Hebel ansetzen wären, da es keine realen „Orte“ sondern nur Worte dafür gibt. That’s the problem.

(O.G., Tagebucheintrag)

Kommentare

22.12.2015

Raimund

Ein Buchtipp wider dem "Gelärme":

Armin Nassehi.
Die letzte Stunde der Wahrheit.
Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind. Hanser Verlag

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