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Atmosphärisches Wochenbuch

Montagsgedenke

Raimund Schöll am 29.10.2012

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Ein Sonntagmorgen im Oktober, dem 28.. Blick aus dem Fenster. Kaum zu glauben, aber es schneit. Die Fichten, die Dächer, ja selbst die Krähen, alles von Schnee bedeckt. Seine Last lässt die Äste wie ausgekugelte Arme erscheinen, die Gartenstühle wie erstarrte Kammerdiener. Schockgefroren. Die Natur übt Winter. Es tobt ein leiser Machtkampf da draussen, der gewonnen werden wird. Nicht heute, nicht morgen, aber bald, denke ich. 

Gestern „Die Wand“ (Verfilmung des gleichnamigen Romans von Marlen Haushofer), mit Martina Gedeck, gesehen. Eine Frau, die plötzlich durch eine durchsichtige, aber undurchdringliche Wand von der Zivilisation abgeschnitten ist und dann allein mit sich und der Natur ringt. Mich beeindruckte vor allem Gedecks ungeschminktes Gesicht, im Spiegel der Natur. Gedreht wurde im Salzkammergut in Oberösterreich. Atemberaubende Landschaftsbilder im Rhythmus der Jahreszeiten. Während des Films lachte der Kinosaal nur ein einziges Mal auf. Wegen des Satzanfangs, der an keinem anderem ausser an diesem Tag lustig gewesen wäre: „Heute am 27. Oktober fiel der erste Schnee….“ Draussen vor dem Kino schneite es, und es war der 27. 

(O.G., Tagebucheintrag)

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