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Atmosphärisches Wochenbuch

Krähen

Raimund Schöll am 20.02.2012

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Eine ganze Zeit lang schon beobachte ich das Schauspiel. Die eine Krähe fliegt von der Hausantenne gegenüber auf unser Dach und von dort wieder zurück, guckt im gebührenden Abstand zu mir ins Zimmer rein und flattert dann weiter zu der anderen Krähe hinüber. Dort sitzen die Vögel vereint auf einer Fichte, die eine ganz oben im Wipfel, die andere etwas unterhalb auf einem dicken Ast. Schließlich segeln sie zu zweit über Dächer und Gärten hinweg, im eleganten Schwung, von einem Punkt zum anderen, bis irgendwann eine wieder auf der Antenne landet.

Rabenvögel werden ja zu den Intelligentesten unter den Vögeln gerechnet. Es heißt, dass sie sich sogar Gesichter merken können. Diese beiden Krähen leben womöglich schon ganz lange hier, leben und emotionieren hier genauso wie ich hier lebe und emotioniere, und sie haben sich mein Gesicht vielleicht auch schon gemerkt, weil ich im Sommer ja oft draußen sitze oder im Garten arbeite, ich mit ihnen gewissermaßen das Areal teile. Interessant zu wissen wäre, ob die Vögel einen vielleicht sogar besser kennen als einen der eine oder andere Nachbar von hier kennt, weil sie einen womöglich öfter ansehen als jene?

Eine interessante Vorstellung, wenn diese geheimnisvollen Vögel Beobachtungen anderer beobachten könnten. Bei Krähen weiß man’s ja wirklich nicht genau, ob sie nicht auch dazu in der Lage wären. Hat er heute einen guten oder schlechten Tag? Freut er sich oder hat er gerade Ärger? Nicht umsonst galten Krähen und Raben wohl lange Zeit in Sagen und Märchen als nützliche Weisheits- und Zaubervögel.

Ich sollte vielleicht eine bewusst einvernehmlich freundliche Koexistenz auch zu den Krähen hier suchen, nicht nur zu Hunden, Katzen und Menschen. Fällt mir ein.

(O.G., Tagebucheintrag)

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