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Atmosphärisches Wochenbuch

Madelaines Gondeln

Matthias Ohler am 31.01.2012

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Schnee oder Film? An manchen Tagen muss man sich entscheiden, über welche Aktanten man wochenbücheln will. Der Schnee kam überraschend in unsere Niederungen an der Bergstraße, aber er wintert die Zeit jetzt doch noch ein, passend zur anstehenden Kälte. Nehmen wir also den Film:

"Molière" von Ariane Mnouchkine und dem Theatre du Soleil gehört für mich, seit ich ihn ausgangs der siebziger Jahre zum ersten mal sah, zur Lebensmusik. Ich besuchte 1981 das Theatre du Soleil im Bois de Vincennes. Es fanden damals keine Aufführungen und auch keine Proben statt, es wurde Textarbeit gemacht. Als ich den großen Raum betrat, fiel mein Blick auf die an der Decke hängenden Gondeln, die im Film zur Musik Lullys über die veschneiten Alpen gezogen werden (Geschenk der Republik Venedig an Louis XIV.). Ein unvergesslicher Bilder- und Hörbogen; wie so viele, die dieser Film bietet. An einem Herd stand - wie bestellt, könnte man sagen - eine ältere Frau und rührte in einer großen Pfanne ein Essen für offensichtlich viele Menschen an. "C´est le Theatre du Soleil ici?" fragte ich. "Oui ouiii", antwortete sie fast singend, nickte wie zur Musik Lullys mit dem Kopf einige male und lächelte mich an. Im Nebenraum saß eine Gruppe Menschen, essend, palavernd, lachend. Als seien sie Madelaine Béjarts Illustres Theater. Sie waren es. - Ich war bislang nicht wieder dort. Dann am Samstag, als ich mir den Film erneut ansah. Und ich fühle mich in diesem atmosphärischen Gefühl doch zu Hause, als wäre ich dort jeden Tag. Und, was soll ich sagen: bin ich ja auch.

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