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Atmosphärisches Wochenbuch

Liebe und Systeme

Matthias Ohler am 24.10.2011

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Zuweilen wird der Systemtheorie ja vorgehalten, sie sei etwas unterkühlt - eine Art winterlicher Erklärung sozialer Phänomene. Wer gestern den Vortrag zur Verkalkung in Organisationen von Fritz B. Simon beim Symposion der SysTelios-Klinik in Siedelsbrunn erlebte, konnte sich vom Gegenteil überzeugen lassen - wenn er wollte. Es ging bei hoch abstrakten und deshalb so erklärungs- - oder sagen wir besser verstehensfähigen Konzepten sehr unterhaltsam und bewegt zu. Das schuf einen Rahmen, in dem gerade auch kontrovers und fragend weiter gehandelt werden konnte. Dem Kommentar eines Teilnehmenden, ihm habe der Bezug zu Liebe als Motivation für ein helfendes System gefehlt, kann ich insofern nicht zustimmen, als aus meiner Sicht systemische Konzepte eher helfen können, Liebesanforderungen zu beobachten und daraufhin zu schauen, wo sie wirklich gut gelebt werden können, statt als so basal eingefordert zu werden, daß sie eher unschöne Inklusions-Exklusions-Prozesse in Gang bringen - und halten.

Die architektonische Gestaltung der mittlerweile fertig gestellten neuen Gebäude wird dem, aus meiner Sicht, sehr gerecht. Kein Banner mit Schlagworten oder Glaubenssätzen, keine irgendwie farblich oder sonstwie mehr oder weniger offenkundig angebotene Ideologie von Gesundheit oder sonstige einladenden Botschaften, deren ausladendes Potenzial so oft nicht bemerkt wird - sondern, in den Worten der Architekten Reinhart Strümpfel und Lukas Reinhard, ein Passepartout, in dem die Menschen die Möglichkeit haben, das daraus zu machen, was es dann ist - vielleicht sogar bezogen auf das Passepartout selbst. Jedenfalls sind Ideen und Vorstellungen von Klientinnen und Klienten von Planungsbeginn an mit in die Häuser eingegangen. Gelebte Systemtheorie, finde ich. Und daß dabei als, wie man sagen könnte, umfassende Farbe weiß herauskommt, macht mir eher warm. Bei so vielen Aus- und Durchblicken durch die vielen Glasflächen in die köstliche Landschaft noch mehr.

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