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Atmosphärisches Wochenbuch

Im Verkaufsraum

Matthias Ohler am 25.06.2009

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Im Verkaufsraum einer wegen ihrer meist günstigen Treibstoffpreise stark frequentierten Tankstelle stehen zehn Menschen und möchten zahlen. Die elektronische Zahlstation ist vorübergehend ausgefallen. Die meisten der Kunden haben Kredit- oder EC-Karten in der Hand und nicht genügend Bargeld dabei, um ihre Rechnungen entsprechend zu begleichen.

Diejenigen, die genügend Bargeld dabei haben, zahlen, unabhägig davon, ob sie unter normalen Umständen an der Reihe gewesen wären. Füße trippeln, Gesichter verziehen sich, Köpfe werden geschüttelt, man sieht rollende Augen, hört vereinzeltes Stöhnen und Äußerungen wie „Gibt´s doch nicht“, „Das muß doch funktionieren so was“, „Ausgerechnet jetzt, wo ich doch ...“, usw. Einer der beiden Kassierer telefoniert mit der Hotline des Abrechnungsinstitutes, tippt Codes in den Rechner. An den Zapfsäulen bilden sich Staus, tankwillige Menschen schauen durch die Scheibe in den Verkaufsraum, manche winken mit den Zapfhähnen. Man hört Äußerungen wie „Was´n los!?“.
Einer der mit der Karte in der Hand Wartenden dreht sich zu den anderen und sagt: „Jetzt stehen wir hier zusammen, um Sprit zu zahlen. Man stelle sich vor, wir stünden hier zusammen, weil wir alle miteinander in einen Unfall verwickelt sind, und warten auf Polizei und Rettungsdienst.“ Die meisten der Wartenden lachen, man hört Äußerungen wie „Wär schlimmer, stimmt“, „Na ja, also, ...“. Einer sagt: „Jetzt könnten wir wenigstens eine Tüte Chips gestellt kriegen, und dann sehen wir entspannt weiter.“
Nach einigen Minuten zeigt der Kassierer, der mit der Hotline telefoniert hatte, an, das Gerät gehe wieder. Nacheinander zahlen die Wartenden.

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