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Atmosphärisches Wochenbuch

Heimatstimmung

Raimund Schöll am 22.06.2014

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Kurz vor dem WM-Spiel gestern gegen Ghana vertraten wir uns in der Abenddämmerung draußen noch ein wenig die Beine. Die Stimmung war anders als sonst: weniger Autos, weniger Leute, einfach von allem weniger. Die Leute -und Geräusche-Frequenz mutete an wie die am autofreien Sonntag in den 70ern. Ich erinnerte mich an meine Jugendzeit. Als ich sommers bei 30° während eines wichtigen Deutschlandspiels mal allein von der Isar quer durch München nach Hause geradelt war. Von überall her roch es nach Gegrilltem, leichter Bierdunst lag in der Luft, und von allen Seiten dieses Raunen. Wellenförmig, entweder in Form eines "Wow", "Ooh", "Naa", "Jaa", "des gibt’s doch net" oder "gib ab du Depp", fiel es aus Wohnungen, Gastätten und Schrebergärten auf die Straße hinaus. Von Stadtviertel zu Stadtviertel fuhr ich so dahin. Am Rücken hatte ich meine Gitarre hängen. Hin und wieder, eine alte Oma, die ihren Hund Gassi führte oder ein hübsches Mädchen, das verspätet vom Baden nach Hause eilte - sonst nichts, jedenfalls nichts von Bedeutung für mich. Dann irgendwann fiel ein erstes Tor für Deutschland und die ganze Stadt vibrierte. Wenn man mich fragt, was Heimat für mich ist, könnte mir heute noch jene Stimmung einfallen. 

Kommentare

23.06.2014

MatO

Mein Großvater (Jahrgang 1891) spazierte 1954 während des Berner WM-Endspiels, das als Wunder von Bern legendär werden sollte, als Wunder vom Dorf umher, während (fast) alle anderen im Ort vor den Radiogeräten saßen. Es war, erzählte er später, nahezu vollkommen still - so, wie Du es beschreibst (weniger Grilldüfte). Und plötzlich platzte es aus allen Fenstern heraus. Das 3:2 durch Rahn war gefallen. "Rahn könnte schießen. Rahn schießt. Tor Tor Tor Toooor, Toor für Deutschland."
Er hat das leidenschaftslos gern erzählt.

Ja, die Identifikationsspinne spannt ihre Fäden übers Land und lässt sie wie harmlose Deko-Schleifchen aussehen. Und Poldi und Angie liefern das Selfie dazu. Die Grosse Koalition aus Politik und Sport. Fehlt nur noch, dass Klinsi und Jogi eine Weiterkomm-Selfie abspielen lassen. Wär schade um den Spaß.

Wie verwendungsoffen für Dummheiten das doch aber alles ist. Ich sag nur: Tom Barrels. .. und, ja, für Panikattacken vielleicht auch ...

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