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Atmosphärisches Wochenbuch

Gottschalk - Hamburg - Wählerwetten

Matthias Ohler am 21.02.2011

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Mit Thomas Gottschalks Auszug aus Wetten-daß ... platzt eine Blase. In dieser Regelmäßigkeit, in der diese Sendung dafür stand, werden sich vielleicht nicht mehr so schnell rund zehn bis zwölf Millionen Menschen um eine Nase versammeln. Die Masse wird abschäumen in die Bläschen der Castingshows und Sportevents. Wetten-dass-... hat es vermocht – in den Begriffen Elias Canettis – zwischen den Chancen und Gefahren offener und geschlossener Masse zu vermitteln: offene Masse, die ständig wachsen will, alles aufnimmt und dann zerfallen muss; geschlossene Masse, die Grenzen ausbildet, dadurch Wachstumsmöglichkeiten einbüßt, aber Beständigkeit gewinnt. Wo hat die Grezziehung nicht mehr funktioniert?

Gottschalk gibt in seinem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung einen Hinweis: Es gab Konkurrenz wie das Supertalent bei RTL, und Wetter wie Samuel Koch hatten wohl auch Casting-Gedanken dieser Konkurrenz - mit Ideen von breiter Bekanntheit und zukünftigem Geschäft - durch die Grenzen des Wetten-dass-Castings gebracht und damit das filigrane Spiel der Beiträger zum atmosphärischen Ganzen (Aktanten) dieses Sendeformats im Kern touchiert. Gottschalk schätzt das, nachdem dann der Unfall passierte, so ein: „Ich war nicht mehr in einer Show sondern im wirklichen Leben angekommen. Ich konnte das Werkzeug, das dem Showmaster zur Verfügung steht, nicht mehr gebrauchen.“ ( http://www.sueddeutsche.de/medien/thomas-gottschalk-im-gespraech-ich-habe-mir-mein-leben-schoen-moderiert-1.1059449 )

Gottschalks Interview-Beträge sind getragen von einem deutlichen Bewusstsein über die atmosphärische Wirksamkeit eines Showmasters seines Formats: „Ich weiß genau, dass wir alle etwas treiben, was im Grunde keiner braucht.“ Gebraucht scheint es schon zu werden, nur nicht immer von den gleichen Moderatoren.

Da ähnelt das Showbiz der Politik, wie Abgänge und Neubesetzungen vakanter Posten – siehe Köhler, Mubarak, oder demnächst vielleicht Gaddafi und Westerwelle – uns lehren können.

Und was hat das Ganze mit der Wahl in Hamburg zu tun? Das werden die kommenden Personaldebatten zeigen, die zunächst einmal eher die CDU führen wird. Bis zum nächsten Unfall des nächsten Kandidaten bei der nächsten Wahl. Wählergruppen scheinen keine geschlossene Masse mehr zu sein. Könnte sein, daß die Politik im wirklichen Leben der Show angekommen ist – mit allen Rsiken für diejenigen, die geschlossene Massen entschlossener Wähler um sich zu schließen versuchen.

 

Canetti, Elias: Masse und Macht, Hamburg (!) 1960

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