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Atmosphärisches Wochenbuch

Gefahren werden

Matthias Ohler am 25.09.2012

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Victor beobachtet den Verkehr. Man könnte meinen, die Autos entwickeln sich wie wir. Eine Ko-Evolution der besonderen Art. Die Auflösung der Grenze zwichen lebenden und nicht-lebenden Systemen. Ab der Mittelklasse aufwärts sind sie nach innen gerichtete Schutzmaschinen mit eher missmutigem oder gar aggressivem Gesichtsausdruck. Manche sollen lächeln - erfolglos, aber überlegen. Die Kleinen lächeln entweder lustig und sind´s so wenig wie die sie Fahrenden, oder sie grimmeln uns was vor und haben eh keine Chance zu nichts. Die Eleganten zeigen gepflegtes Desinteresse mit deutlichem Interesse an der Wahrnehmung ihres Desinteresses. Die Fahrerinnen und Fahrer der Schutzmaschinen drängeln, können gar nicht anders als drängeln, weil es ihre Autos eh tun, so wie die aussehn.

Die Autos sind die blechern und kunststofflich Gestalt gewordene Entsolidarisierung. Wir fahren sie gar nicht, sie fahren uns. Bis an die Wand.

Kommentare

27.09.2012

Raimund Schöll

Auto, ein "innenraumbildendes Immunsystem" gegen innere und äussere Abschattungen. Wer kennt nicht die Erfahrung: Stressiger Tag und endlich ..... im Auto. Eine Art Selbstberuhigunghypnose während des Fahrens.

Sozialwissenschaftler wollen heraus gefunden haben, dass wir gerade im Auto rabiater im Umgang sind (drängeln, hupen, schneiden etc.), weil uns die Gesichtssignale des Anderen fehlen. Wir sehen den, der im Auto sitzt bestenfalls als Figur, aber nicht als Person. Depersonalisation nennt man das im Fachjargon.

Und dramatisch scheints zu werden, wenn sich die Fahrer noch dazu bebrillen, glatzköpfig sind oder beginnen, dem Auto zu gleichen (das sagt man ja vielen passionierten Autofreaks nach) Wie Hundebesitzer ihren Hunden.

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