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Atmosphärisches Wochenbuch

Gabriel und Pegida

Raimund Schöll am 25.01.2015

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Sigmar Gabriel hat sich gestern "privat" in Dresden mit Pegida-Anhängern getroffen. Er wolle mit den Leuten ins Gespräch kommen. Was anderes soll Demokratie denn sein, als miteinander ins Gespräch kommen, sagte Gabriel sinngemäß. Wenn man Gabriels Biographie - der Vater war ein unverbesserlicher Nazi - ein wenig kennt, kann man eigentlich nur finden, dass Gabriel nahezu zwangsläufig der eigenen Handlungslogik folgt. Wer einen Rechtsextremen zum Vater hatte, der sich nie hat läutern lassen, auch nach dem Krieg nicht, kennt die Atmosphäre, in der dumpfe Vorurteile gedeihen und kakteenartig konserviert bleiben aus eigener Anschauung. Und wer die kleinbürgerliche Welt selbst geteilt hat, in einer Wohnungsbausiedlung aufgewachsen ist, ahnt wohl auch ganz gut, was in manchem vorgeht, der vor gibt, Angst vor allem Möglichen zu haben. Abgesehen davon war Gabriel lange Zeit als Referent in der politischen Erwachsenenbildung tätig. Wer sich also gerade darüber empört, dass Gabriel auf jene, die auf den Pegida-Demos mitlaufen, zugeht, und beinahe reflexhaft dessen „Sprunghaftigkeit“ zur Beschreibung seines Politikstils bemüht, könnte all dies bedenken. Ich finde schade, dass manche in seiner Partei sagen: mit denen reden wir erst gar nicht. Da hat Gabriel meines Erachtens naturgemäß den besseren Instinkt. Und den glaubwürdigeren Habitus.

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