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Atmosphärisches Wochenbuch

Ein Ende setzen

Raimund Schöll am 21.11.2012

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Bei Ehepaar Hufschmid hielt neulich kurz nach der Tagesschau der vorübergehend letzte aller bunten Abende Einzug. Weil er in der gemeinsamen Wohnstube wiederholt nix zu sagen wusste, und weil er wie schon etliche Tage zuvor nur in den Fernseher hinein starrte, und weil er wiederholt lautstark schmatzend, eskortiert von unrühmlichen Darmgeräuschen tumb die frisch zubereitete Mehlspeise in sich hinein schob, ohne ihr eine einzige liebevolle nachfühlende Frage zu stellen, und ohne ihr auch nur ein Wort der Anerkennung für das geleistete Tagespensum zu zollen. Der erste Wurf, ein hartes Ei vom Vorabend, galt seiner bis zur Schamlosigkeit geratenen Ignoranz. Der zweite, ein Ofenholzstück, seiner sich bis zur Unappetitlichkeit geratenen Figur. Der dritte, eine volle Sektflasche der Marke Söhnlein pikant, seiner Mitleid erregenden Existenz im allgemeinen. Dem Haftrichter erklärte Frau Hufschmid nach dem Totschlagversuch, sie habe ihren Mann bereits zur Hochzeit verabscheuen gelernt. Denn selbst an jenem Tag hätte er beim Hochzeitsessen weder auf sein fettes Scheufelein verzichten mögen, noch wäre er bereit gewesen, nach Vollzug der Ehe im Hotel den Fernseher ruhen zu lassen. Zur vollkommenen Aufklärung der Sachlage müsse zudem gesagt sein, dass sie es ja nie anders gewohnt gewesen war. Schon der Vater hätte mit denselben Angewohnheiten die ganze Familienatmosphäre vergiftet. Sie habe diesen Treiben nun ein Ende setzen müssen. 

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