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Atmosphärisches Wochenbuch

Die Würde des Nebengedankens

Raimund Schöll am 12.11.2012

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Heute folgte ich routinemäßig - wie jeden Tag - zielstrebig meinen Hauptgedanken. Hauptgedanken sind jene, die hauptsächlich nützlich sind. Also z.B.: Wem muss ich gleich welche Rechnungen schreiben? Oder: Was soll ich heute Abend essen? Welche Arbeiten sollte ich für morgen vorbereiten? Oder: Was sagt eigentlich diese oder jene Minus- oder Plus- Kommazahl aus, die mir da als laborige Ermahnung der letzten Blutuntersuchung vorliegt? Doch Gott sei Dank treten auch regelmäßig und zuverlässig Nebengedanken ein. Und das sogar, wenn andere annehmen, man sei höchst seriös mit bedeutsamen Hauptgedanken beschäftigt. Nebengedanken sind jene, die faktisch nichts einbringen, aber kurzweilig sind, und sie gesellen sich einfach unbemerkt dazu. Keiner ahnt sie auch nur im geringsten. Frei aus der Luft gegriffen ein paar Beispiele: Ah, das ist aber eine schöne Parkbucht hier auf dieser kleinen Landstraße. Oder: B. Obama, was macht der eigentlich, wenn er sich im Weißen Haus unbeobachtet fühlt? Und wie oft? Hat er auch im Wahlkampf hin und wieder? Oder: Wieviele Meter geht ein Blinder in seinem Leben - im Vergleich zum Nichblinden? Gibt es hierzu eine Statistik? Was hat mein Hund Ludwig gerade so begeistert gefressen, als er, während des morgendlichen Spaziergangs, seinen Kopf in diese unappetitliche Tüte am Wegesrand hinein versenkte. Und so weiter und so fort. Mal unter so gesagt: Nebengedanken, die keiner ahnt?! Das macht doch die eigentliche Würde des Menschen aus. Wahre Würde hat doch der, der sich hin und wieder einen Nebengedanken leistet. Und ihn nicht veräussert.

(O.G.)

Kommentare

14.09.2016

Otty Baume

Die Einsamkeit ist die melancholische Schwester der Würde.

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