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Atmosphärisches Wochenbuch

Die Piraten - lassen sich beim Denken beobachten?

Raimund Schöll am 05.10.2011

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Die Piratenpartei hielt heute in Berlin ihre erste Bundespressekonferenz nach der erfolgreichen Berlinwahl ab. Hörenswert waren dabei nicht allein die vorgetragenen Politikpositionen der Newcomer, sondern beobachtenswert auch die vorgestellte Lebensform. Atmosphärologisch geredet, machten Fraktionschef Andreas Baum, Geschäftsführerin Marina Weisband und Parteichef Sebastian Nerz der interessierten Öffentlichkeit nuanciert andere Habitus-, Beziehungs- und Sprechangebote als die sonst im Politikbetrieb üblichen. Statt des typischen Besser- und Bescheidweißgestus zum Beispiel war von Zeit zu Zeit auch der der selbstbewussten Verlegenheit zu besichtigen: Wir haben noch keine endgültige Lösung... wir haben noch keine endgültige Antwort, waren die rhetorischen Rückgaben an die Frager, als es um die Euro-Griechenlandkrise und den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr ging.

Vielleicht ja hat da eine neue Politikgeneration tatsächlich für sich beschlossen, dass es nützlich sein könnte, sich beim Denken beobachten zu lassen, es vielleicht nicht die Erwartung eines jeden Bürgers ist, Politik und insbesondere die Politiker mögen stets mit schnellen robusten Antworten aufwarten, und dass intelligent gestalteter Prozess für politische Meinungsbildung mindestens so ausschlaggebend sein könnte wie bloße Inhaltsfokussierung?! Spannend, weiter zu verfolgen.

Auf den Einlass eines Journalisten, ob Art und Stil der Piratenpartei nicht irgendwie an die Grünen in den 80ern anknüpfe, sagte einer der Piratenherren noch originellerweise: weiß ich nicht, ich war ja nicht dabei! 

Erinnerte mich spontan irgendwie an den guten alten Heinz von Foerster, der in seiner Eigenschaft als Erkenntnistheoretiker einmal zur Frage nach der Entstehung der Welt sinngemäß sagte: Wer schon könnte mit Gewissheit sagen, wie es sich zutrug? Es war ja keiner dabei!

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