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Atmosphärisches Wochenbuch

Die Langeweile

Raimund Schöll am 13.01.2013

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Beschäftigt sein, ständig in Aktion, bloß keine Pause. Die Ruhelosigkeit. Quälgeist, Parasit und Sklaventreiber in einem, aber auch Herzschrittmacher, Lebenselixier und Schmiermittel für’s Zukünftige. Ja, ja.

Das Gegenteil davon - die Langeweile. Die Langeweile treibt nicht und sie treibt nichts. Wie ein stiller See ruht und meditiert sie vor sich hin. Stoische Kreise des Nichts. Man zählt in ihr die Fliegen im Wohnzimmer, drückt in ihr seine Mitesser aus, macht sich einen Tee und einen zweiten, schaut, hört, riecht und flaniert in seinem Seelenhaushalt herum.

Warum fürchtet man sie eigentlich so sehr die Langeweile? Warum leiden manche regelrecht unter Langweiligkeitsparanoia? Vielleicht, weil sie bisweilen etwas Unberechenbares, ja Anarchisches hat. In der Langeweile kann einem plötzlich etwas auffallen. Wie bedürftig der Hund gerade ist und nach Streicheleinheiten verlangt, oder wie nötig mal wieder ein neuer Anstrich der Wohnzimmerwände wäre. Vielleicht auch, wie liebevoll der Lebenspartner gerade mit einem ist oder eben nicht.

Die Langeweile. Sie ist im Ergebnis unvorhersehbar und daher manchmal gefährlich, weil da plötzlich etwas ist. Und die Welt wie in Zeitlupe steht.

(O.G.)

Kommentare

13.01.2013

deaXmac

Zwei Pole des nicht bei sich sein könnenden passiven Getriebenseins? Hektische Geschaftlhuberei zum Entfliehen vor der Langweile? Beide Zustände bleiben gefangen in der Zeit, die vorbei rast und/oder nicht vergehen will.

Was anderes ist: Tätigkeiten, die Raum und Zeit verschwinden lassen. Mittendrin im Augenblick, ob kontemplativ und/oder gestaltend, Hautnahes Vergessen, aktiv, hellwach und mit allem Eins ... und nichts steht -mit Künftigem drohend- zu befürchten.
Und die Welt ist, wie man sie gestaltet.

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