skip to content
DSC00022 image

Übersicht

Atmosphärisches Wochenbuch

Die Aufdeckung

Raimund Schöll am 18.03.2012

-> Hier können Sie Kommentare lesen oder schreiben

Husenkamp steht inmitten zweier Kartoffelfelder an einer einsamen Landstraße. Über eine Stunde schon steht er Spalier, reckt seinen blassen Daumen den wenigen vorbei kommenden Autos entgegen. Seine Limousine - heute war er ohne Fahrer unterwegs – machte kurz klack klack. Im Nu leuchtete die Alarmlampe – dann der Totalausfall. Ein unvorhersehbares unkalkuliertes Ereignis, und das mitten in der Einöde - irgendwo in Niederösterreich. Verflixt und zugenäht! Längst schon hätte er zur nächsten Vorstandssitzung sollen. Dann endlich ein kleines giftgrünes Auto, das anhält. Eine Frau in ärmellosem Kleid mit Perlmuttkette über dem blassen Dekoltee reckt ihm ihren qualligen Leib entgegen. Mit heiser rauchiger Stimme nöselt sie durchs geöffnete Fenster:

„Bist du net da Gottfried?“

„Ja, so heiße ich: Dr. Gottfried Husenkamp“, antwortet Husenkamp, sich die Krawatte zurecht richtend. „Woher äh ..... kennen Sie meinen Namen?“

„Duat nix zur Sache“, sagt die Frau. „Zoagst mir deinen Ausweis, woast scho wega da Sicherheit? Weil an jeden nehm i net mit.“

„Ich dachte, Sie kennen mich?“, nuschelt Husenkamp, tut aber wie ihm geheißen und reicht der Frau seinen Ausweis. Lieber dieses entwürdigende Procedere, als noch länger hier in dieser Einöde stehen. Die Zeit eilt, die Vorstandsitzung - schließlich muss gerettet werden, was zu retten ist!

Beinahe feierlich nimmt die Frau das Dokument entgegen. Mit spitzen Fingern und gestrecktem Arm hält sie den Ausweis von sich weg, liest laut und langsam vor: „Dr. Gottfried Husenkamp,.... am Böllufer 7, .....Hamburg. Na da schaug her. Dös gibt’ s ja nedda! Acht Joahr is’ her, Gottfried. Hob is doch glei gwußt, als i die da stehn gsöhn hab,“ tirilliert die Frau triumphierend. Schließlich reicht Sie den Ausweis Dr. Husenkamp wie Wechselgeld zurück. Mit schlitzigen Augen sieht sie ihn an und faucht: „Du oide Wöidsau, glabst fei ned, wia i die gsuacht hab. Überall hab i di gsuacht. Kennst mi denn nimma?“ 

„Äh ja ich weiß nicht, wenn Sie mich so genau fragen, ich wüsste nicht .... Nehmen Sie mich jetzt vielleicht mit? Ich will Sie auch gerne bezahlen.“ 

„Des glabst aber“, hallt es ihm schallend entgegen, „dass du mi zoist, boid und des adäquad. Wann’st jetzt nach am Anhaltspunkt suachst: I bin die Gabi von da Bärenbar, die’st ganz gern g’habt hast, immer. Bist dann nimma woin host und nimma kemma bist, dir's wahrscheinlich z' bläd worn is. Foit's jezza as Zehnerl?“ 

Die Reifen quietschen, Vollgas wird gegeben – aber ohne Husenkamp. Hinten von der Rückbank schließlich fragt eine kindliche Stimme: „Mama, wer war'n des?“

„Dös war dei Vater, Klara! Da Herr Dr. Husenkamp. Ein feiner Mann.“

Hier können Sie Kommentare schreiben

Zur Übersicht