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Atmosphärisches Wochenbuch

Der Beginn eines positiven Verlaufs - eine Begriffsmeditation im Dezember

Raimund Schöll am 03.03.2011

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Der Tagesausklang hatte mich in entspannte Zustände hineingeschoben und ich bin durch diese Stadt gegangen und habe Christbäume gesehen und Schattenmenschen, weil es dunkel gewesen war und Autos, die auf den Straßen daher gefahren kamen. Das alles hatte mich aber nicht beschäftigt. Ich ließ es an mir abprallen. Erst als ich an der Milchbar entlang kam, so heißt dieses Etablissement, zu dem einst auch noch eine Art Kino gehörte, also als ich an dieser Milchbar entlang kam, da glotzte mich eine Currywurst, die als mattes Bild in der Schaufensterlade ausgestellt lag, an und lud mich ein, daran zu denken, eine Currywurst zu essen. Dies war der Auftakt, weitere Außenverhältnisse in Augenschein zu nehmen, es boten sich jedoch keine weiteren Erscheinungen an, so dass ich wieder in mich selbst hineinklappte und so ging ich auf dem grauen Trottoir, der wahrscheinlich grau war, weiter.

Es begegneten mir nun allerlei Begriffe, die mich durch das Geschehen schaukelten. Es handelte sich hierbei um Meeresaugen und Senfpasteten, Karamelmilch und Massageschokoladen, Schiffsaufsässige, Kasperltüten, Strauchelbanden und Katakombentüten. Dann waren da noch Saftbiere, Stelldecken, Kastenhoden und immer wieder diese Rundtücher, von denen ich partout nicht wusste, wo sie her kamen. Auch die Zapfentannen, Eisenstifte und Kokostoilettenpapiere befremdeten mich, von den Lombardeiäpfeln, Seeelefanten,  Uhutreppen und Basttomaten ganz zu schweigen. Dann waren da noch Kipfentoiletten, Komikerparaden und Kölnschachteln sowie Kruginterventionen, Giftgeschenke und diverse Kissenschlangen. Überrascht haben mich auch die Plastilinpastillen und Sortenpapiere, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Dicht gestapelt folgten Säbelschwenzer, Schuhpalmen und Anarchistenlokale sowie Nebelkrämer, Lesekelche und Bananentreiber. Es sollten korrekterweise auch die  Flaschenbakterien, Nützlichkeitsoasen, Fernfühlautomaten und Leberfleckaspiranten nicht unerwähnt bleiben sowie die Sumpfköterschlangen, Kernspintomaten, Krebsschlieren, Kebabnutten, Softeisscheißer und die Edelkastanienwerfer vielleicht der Erwähnung wert sind. Nun gut! Auf jeden Fall nahm an diesem denkwürdigen Tag im Dezember, in dieser denkwürdigen Stadt der Tagesausklang für mich einen positiven Verlauf.

Aus: Theo Dünnbiers Gedankenfluchten - Die Kunst den Überblick zu verlieren, unveröffentlichtes Manuskript, 2010

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