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Atmosphärisches Wochenbuch

Danke Marcel Reich-Ranicki!

Raimund Schöll am 28.01.2012

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Atmosphärische Highlights sind im Bundestag ja eher selten zu besichtigen. Aber gestern fand eines statt. Finde ich. Der mittlerweile 91-jährige Literaturkritiker Reich Ranicki sprach dort anlässlich des 67-jährigen Holocaust-Gedenktages zur Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Der Geist wollte mehr als der Körper, wie man sah. Doch ließ es sich der streitbare Zeitzeuge industriellen Massenmordens nicht nehmen, den Politikern und uns Bürgern sein pures Menschsein anzubieten. Mit zitternder Stimme berichtete er über seine persönlichen Erfahrungen im Warschauer Ghetto, über Vertreibungen, unwillkürliche Verhaftungen und Erschießungen. Über die sogenannte Umsiedlung sagte Ranicki am Ende seiner eindrucksvollen Rede: „... sie „hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod.“

Die an seine Worte anschließende Stille war bewegend, ist mein Gefühl. Minutenlang hielt sie an und viele Politiker, auch die, die man sonst eher im Hochstatus antrifft, wirkten für eine kurze Zeit lang angenehm menschlich. Ich ertappte mich, als ich das gestern in den Nachrichten sah, beim Aufatmen. Mich erleichterte da was: Du lebst doch alles in allem im richtigen Land, war mein Gedanke.

Danke Marcel-Reich-Ranicki.

http://www.youtube.com/watch?v=uRNzcWIB__w

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