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Atmosphärisches Wochenbuch

Atmosphärische Intelligenz eines Reporters

Raimund Schöll am 27.07.2011

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Gestern auf der Autobahn, Radio hörend. Auf beinahe allen Infokanälen wird über Norwegen gesendet. "Norwegen nach dem Attentat...." Wie viele andere Berichterstatter in den letzten Tagen auch, berichtet einer explizit über die Atmosphäre im Land. Es ist die Rede von beeindruckendem Zusammenhalt, von Menschen, die sich an den Armen fassen und davon, wie sehr die ganze norwegische Gesellschaft - einschließlich Politiker aller Couleur - zusammen steht derzeit. Man hört dem erfahrenen Reporter eine sympathische Nicht-Routine im Sprechen an. Auf die resonante Frage der Studiomoderatorin, wie er denn die Situation in Norwegen persönlich erlebe, lautet die Antwort sinngemäß: Ich persönlich tu mir im Moment schwer, einfach so auf die Leute zu gehen, die Kamera anzumachen und jemanden das Mikrofon für Interviews vor die Nase zu halten. Trotzdem mach ich natürlich meinen Job, irgendwie und so gut ich kann.

Die Haltung des Reporters beeindruckt mich, zeugt sie doch davon, dass hier ein professioneller Beobachter bemerkt, Mitaktant einer Atmosphäre zu sein, derer sich zu entziehen 1. unrealistisch wäre und die es 2. mit zu verantworten gilt, auch wenn der offiziöse Auftrag an Reporter lautet: beobachte, ansonsten halt dich raus. Atmosphärische Intelligenz lässt grüßen, finde ich. Vielleicht hat man seit Winnenden dazu gelernt?

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