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Atmosphärisches Wochenbuch

Atmosphärisch irren

Matthias Ohler am 22.07.2009

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Eine der besonders nützlichen Ideen im Philosophieren der letzten einhundert Jahre ist aus meiner Sicht die des Sprachspiels als Untersuchungseinheit, wie sie von Ludwig Wittgenstein eingeführt wurde. Sie erlaubt, Wortgebräuche so anzuschauen, als seien sie Teile eines gemeinsamen Spiels – mit allen Weiterungen, die diese Metapher bietet: nach Regeln suchen, Muster, Zusammenhänge und Ordnungen (er)finden, und vieles mehr.
So können wir in den Blick nehmen, was der Gebrauch von Worten uns ermöglicht  – und was nicht, bzw. wofür es vielleicht Alternativen gibt. Sprachspiele als Häppchen der begrifflichen Verkostung bringen, wenn man so will, in den Blick, was es mit unseren Begriffsbildungen auf sich hat und wie wir wieder Übersicht gewinnen können, wo wir sie teils verloren haben oder – um im Bilde zu bleiben - uns entfallen ist, wie die Rezeptur war.
 
„Atmosphäre“ ist ein gebräuchliches Wort, das wir mehr oder weniger häufig verwenden in vielerlei Umgebungen und Umfeldern – aber eben nicht in allen möglichen oder auch nur denkbaren. So oszillierend, wie Atmosphären uns manchmal erscheinen, ist auch der Gebrauch dieses Begriffs. Wir können manchmal klar sagen, welche Atmosphäre wir erleben, wünschen, nicht haben wollen etc. Manchmal fragen wir uns eher, was denn atmosphärisch gerade wieder Sache ist, und finden keine eindeutige Antwort – und beschreiben damit in anderem Sinne sehr genau, was wir erleben.
Ich frage mich: Kann ich mich in oder über Atmosphären irren?
Und worüber bzw. worin irre ich mich da?
Was wäre ein atmosphärischer Irrtum?
Ich kann sagen: Ich habe da und dort (Restaurant, Konferenz, Konzert, Besprechung, ...) eine andere Atmosphäre erwartet als die, die sich jetzt darbietet. Oder: Die Atmosphäre ist ja ganz anders, als ich gedacht (im Sinne von erwartet) habe (Klinik, Urlaubsort, Hausbesuch, ...). Hab mich wohl geirrt.
Kann ich auch sagen?: Die Atmosphäre war gar nicht so, wie ich sie erlebt habe. Ich war vielleicht nicht offen für sie, sie konnte mich nicht erreichen, ich habe sie gar nicht gesehen. Schärfer: Die Atmosphäre war in Wirklichkeit eine ganz andere als die, die ich erlebt habe. Jetzt, wo Du´s sagst ... Hab mich wohl geirrt.
Kann ich sagen?: Es ist dann und da eine irrige Atmosphäre entstanden. Die hat gar nicht gepasst, weiß der Kuckuck, wie die da hinkam. (Kuckuckseier > Kuckucksatmosphären) Wer hat sich da geirrt?

mato

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